Pressemitteilung des Westfalen Blattes (von Hendrik Uffmann):

Das modernste Wohnheim ist aus Holz

Schildesche (WB). Mit ein paar Handgriffen befestigt Benedikt Dües die Ketten des Krans an dem Holzelement. „Das ist jetzt Nummer 24“, ruft der Zimmerer seinen Kollegen zu, die in der ersten
Etage der Baustelle auf „Nachschub“ warten. Den lässt Dües dann sanft einschweben
und das nächste, 400 Kilogramm schwere Element kann verschraubt werden. So wächst derzeit das wohl modernste Wohnheim Bielefelds empor. Denn das Studierendenwerk hat sich entschieden, die neue Anlage an der Wertherstraße in Holzbauweise zu errichten. „Das ist ein nachwachsender Rohstoff, und wir wollten so nachhaltig bauen wie möglich“, sagt Studierendenwerk-Geschäftsführer Jens Schröder. Vier Etagen wird das Wohnheim, das aus zwei Gebäudeteilen besteht, haben – ein Erdgeschoss mit offenen Parkplätzen, darüber drei Wohnetagen. Das zentraleTreppenhaus und der Boden der ersten Etage sind aus Beton gegossen worden. „Wegen des Brandschutzes, und
weil es den Schall besser dämmt“, erklärt Johannes Spieker, Leiter der Abteilung Facility-Management im Studierendenwerk. Dass es im Januar und Februar heftig geregnet hat, habe die Betonarbeiten verzögert. Jetzt aber sind die Zimmerer am Zug. Das vierköpfige Team um Benedikt Dües verwendet dafür vorgefertigte
Brett-Sperrholz-Elemente. „Die Teile sind 2,85 Meter hoch und bis zu sieben Meter lang“, erklärt der Zimmerer. Anhand der Baupläne sind die von der Firma Terhalle in Ahaus konstruiert und dann in einem Werk in Österreich angefertigt worden. Die Elemente aus verleimtem Fichtenholz sind für die Wände zehn Zentimeter stark, die Decken sind 16 Zentimeter dick.
Die Studenten, die später in dem Gebäude wohnen werden, haben die besondere Bauweise immer vor Augen. „Die Außenwände und die Decken werden in den 25 Quadratmeter großen Apartments nicht verkleidet, so dass das Holz zu sehen ist“, erläutert Spieker. Anders wird das bei den Innenwänden sein. Dort werden die Holzelemente von jeder Seite mit einer doppelten
Schicht aus Gipskartonplatten verkleidet, dazwischen kommen sechs Zentimeter Dämmung. Notwendig ist dies ebenfalls für den Brandund den Schallschutz. „Schließlich hört der eine lieber
Heavy Metal, der andere Helene Fischer“, sagt Zimmerer Dües lachend. Auch die Decken zwischen den Etagen werden aus dem selben Grund mit einer acht Zentimeter starken Betonschicht
verstärkt. Etwa zwei Wochen brauchen die Zimmerer pro Etage und Gebäudeteil. Dann wird dort die Betonschicht auf der Decke gegossen, während diese aushärtet, nehmen sich die Zimmerer die nächste Etage im anderen Gebäudeteil vor. Im September 2023 soll das neue Wohnheim dann bezugsfertig sein. Aus den zunächst für die 78 Plätze kalkulierten acht Millionen Euro Baukosten sind nach jetzigem Stand neun Millionen geworden, sagt Jens Schröder. „Die Preissteigerungen beim Baumaterial merken wir auch. Die Hälfte der Kostensteigerung liegt jedoch daran, dass wird das Gebäude jetzt im Kfw-55-Standard errichten.“ Erreicht wird dies unter anderem, in dem die Dämmung aus Steinwollen an der Außenfassade, die dann mit vermutlich messingfarbenen Metallelementen verkleidet wird, mit 20 Zentimetern deutlich dicker wird. Außerdem ist nun in der Überlegung, auf dem Dach eine Photovoltaikanlage zu installieren. Spieker: „Technisch
geht beides, das bislang vorgesehene begrünte Dach und eine solche Anlage.“ Der Holzbau sei schon deutlich aufwändiger als die konventionelle Steinbauweise, so der Abteilungsleiter. „Trotzdem könnte er ein Modell sein für weitere Wohnheime.“

Studienwerk Bielefeld

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